Die Stärken herausstellen

BT 17.11.2018

Touristikgemeinschaft will den Erlebnischarakter des Murgtals deutlich machen

Von Thomas Senger

Murgtal - Der Tourismus im Murgtal hat gute Perspektiven. Das war Tenor gestern bei der Versammlung des Touristik-Zweckverbands "Im Tal der Murg". Doch gibt es auch Hindernisse. So kritisierte Gaggenaus OB Christof Florus als Vorsitzender das drohende Aus für den geplanten Mountainbike-Trail bei Gausbach: "Da werden Hindernisse aufgestellt, die für uns nicht nachvollziehbar sind. In anderen Landkreisen hingegen funktioniert das."

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Über allen Gipfeln ... - Schöne Aussichten sind ein wichtiges Pfund für den Tourismus im Murgtal.       Foto: Senger

Wie am Freitag berichtet, stehen FFH-Gebiete und Auerhahnschutzgebiete dem Mountainbike-Trail in Gausbach entgegen. "Da blockieren wir uns selber", schimpfte OB Florus und verwies auf die ökologisch mindestens genauso sensible Alpenregion: "Dort geht das doch auch", argumentierte er mit Blick auf Angebote wie Wandern, Mountainbiking und Bewirtungshütten, die dort durchaus im Einklang mit Landschaftschutz vorhanden seien, in dem zum Landkreis Rastatt gehörenden Teil des Murgtals aber strikt abgelehnt würden. "Und das Auerwild ist in anderen Landkreisen bestimmt nicht scheuer als im Landkreis Rastatt", ergänzte er im BT-Gespräch.

Seit 2017 kooperieren der Zweckverband und die Baiersbronn Touristik, um gemeinsam das Murgtal touristisch zu vermarkten. Die Zusammenarbeit bewährt sich bereits, dies verdeutlichte Geschäftsführer Patrick Schreib in seinem Vortrag. Er stellte "strategische Überlegungen" vor, mit denen die Tourismusregion Murgtal-Baiersbronn vorangebracht werden soll. Auch die Beteiligung an einer noch zu gründenden Nationalparkregion Schwarzwald GmbH ist dabei ein wichtiger Baustein.

Das Murgtal selbst soll die jeweils spezifischen Stärken der Teilräume in den Vordergrund rücken:

  • Vorderes Murgtal: "Genussraum für Technikfreunde" - mit Blick auf die Industriegeschichte.
  • Mittleres Murgtal: "Genussraum für Entdecker" - Hier steht das Abenteuer im Mittelpunkt, zum Beispiel Rafting auf der Murg, Klettern und Wandern.
  • Oberes Murgtal: Um Baiersbronn sind die bekannten gastronomischen und Wellness-Angebote wichtige Zugpferde.

Schreib richtet den Blick auch auf die Gegenwart. So erwähnt er ausdrücklich das Rotherma in Bad Rotenfels, die geplante Teststrecke für Elektro-Lkw ebenso wie den Weltmarktführer bei der Bierdeckelproduktion, Katz GmbH &Co. KG in Weisenbach, Schloss Eberstein und andere. Sie alle haben Potenziale, den Begriff "Murgtal" in die Welt zu tragen und damit Gäste anzulocken. Dies sind derzeit eher Tagestouristen im vorderen Tal, während im oberen Tal durchaus mehrtägige Verweildauern anzustreben sind.

Auch nach außen hin soll die Tourismusregion Baiersbronn-Murgtal künftig als Einheit verstanden werden. Ein Konzept für eine gemeinsame Präsenz wird ab Januar erarbeitet, ebenso ein gemeinsamer Veranstaltungskalender und gemeinsame Messeauftritte. Ein gemeinsamer Marketingplan ist in Arbeit. Weitere kleinere Maßnahmen sind: kleiner Kulturguide für das gesamte Murgtal von der Quelle bis zur Mündung, Aufbau einer Bilder-Sammlung und touristisch relevant verwertbarer Storys, kleiner Imagefilm, Wander-Informationstafeln oder die Erarbeitung eines zweiten - neben der Murgleiter - gemeinsamen Leitproduktes. Angedacht ist hier unter anderem ein Murgtaltrail für Mountainbiker.

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Gute Ideen sind vorhanden

Es gibt sicher wichtigere Themen als das touristische Potenzial des Murgtals. Diese Einsicht könnte aber Mitursache sein, dass das nicht zu unterschätzende Potenzial unserer Region bislang unter Wert - ja was denn eigentlich? - "verkauft wird" kann man ja kaum sagen, angesichts der bislang verhaltenen Initiativen in diesem Sektor. Fakt ist: Es schlummert wirtschaftlich relevantes Potenzial im Schwarzwald-Tourismus, und das Murgtal ist in Kooperation mit der Baiersbronn-Touristik auf einem guten Weg, verlorene Marktanteile zurück zugewinnen. Was Geschäftsführer Patrick Schreib in Arbeit hat, stimmt zuversichtlich (siehe Artikel auf dieser Seite). Wenig verständlich ist es allerdings, wenn ein Mosaikstein wie der geplante Mountainbike-Trail bei Gausbach vor dem Aus steht wegen Naturschutzbedenken. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass gute Ideen an behördlicher Fundamentalopposition scheitern. Man denke nur an das erfolglose Bemühen um Genehmigung einer Vesperhütte auf dem Kaltenbronn. 2010 musste Wolfgang Frey vom Enztalhotel Enzklösterle die Idee einer solchen begraben. Seither: Totenstill ruht der See. Treppenwitz am Rande: Die Grünhütte, beliebte Lokalität für Wanderer, hat zwischenzeitlich deutlich erweitert. Sie liegt auch da oben, aber halt in einem anderen Landkreis. Die Stadtbahnausflügler, sie kennen sie auswendig, die Namen der respektabel bewirteten Hütten jenseits der Forbacher Gemarkung. Als Alternative diesseits der Landkreisgrenze gibt es eine mobile Vesperhütte des Landschaftserhaltungsverbands. Bei allem Respekt: Das ist nicht wirklich ernst zu nehmen. Thomas Senger

Badisches Tagblatt