Sägewerke prägten das Flößerdorf

BNN 16.10.2018

Historischer Rundgang durch Hörden mit Mitgliedern des Vereins für Heimatgeschichte

Details über die Geschichte des Murgtals

Gaggenau-Hörden (gk). Als Flößerdorf ist Hörden bekannt, auf der Essel wurden einst die Murgflöße gebunden. Auch die Sägewerke prägten den heutigen Gagggenauer Stadtteil, boten vielen Hördenern Arbeit.

Daneben gab es aber auch zahlreiche Handwerksbetriebe: „Gebäude der Dorfgeschichte“ hatte der Verein für Heimatgeschichte seinen historischen Ortsrundgang deshalb betitelt, bei dem alte Handwerke wie die Wagnerei vorgestellt wurden.

Ausgangspunkt für den Rundgang war das Museum Haus Kast, doch bis zur ersten Station hatten die rund 20 Teilnehmer, darunter Einheimische wie auch Auswärtige, nur knapp 150 Meter zurückzulegen. In der Landstraße besichtigte die Gruppe ein Ökonomiegebäude, „wie es typisch war für unsere Region“, so Bernd Kraft vom Vorstandstrio des 160 Mitglieder zählenden Heimatvereins, der die Führung übernommen hatte und mit viel Fachwissen über die lange Geschichte des Murgtals referierte.

BNN16102018

Bild: VIEL WISSENSWERTES über die Geschichte des Flößerdorfes Hörden vermittelten die Mitglieder des Vereins für Heimatgeschichte, der zu einem historischen Rundgang durch das Flößerdorf eingeladen hatte. Foto: gk

Der aus Reichental stammende Anton Wieland erstand im Jahr 1929 das jüdische Wohn- und Geschäftshaus, in dem sich zuvor eine Schusterei befand, berichtete dessen Enkelin Christel Zdun. Der damalige Kaufpreis betrug 25 000 Mark.

In den folgenden Jahren arbeitete ihr Großvater bei Schoeller & Hoesch in Gernsbach als Vorarbeiter, ehe er sich mit seiner Wagnerei selbstständig machte. Er beschäftigte mehrere Lehrlinge und Gesellen. Christel Zdun erinnert sich noch gut: „In seiner Werkstatt hing der Spruch: Meister ist wer was ersann, Geselle wer was kann, Lehrling jedermann.“

Der Wagner war ein vielseitiger Handwerker, der vorrangig mit Holz, aber auch mit Metall arbeitete. In der Werkstatt von Anton Wieland entstanden nicht nur einfache Haushaltsgegenstände wie Axt- oder Besenstiele, sondern auch Hornschlitten, um im Winter Holz und Heu ins Tal zu transportieren. Und der „Hördener Karch“, ein einachsiger Schubkarren, der nicht nur bei der Arbeit benötigt wurde, sondern auch in der Fasent bei Umzügen zum Einsatz kam. Eine weitere Besonderheit: Anton Wieland fertigte Ski aus Holz an, für den Langlauf und Alpin. „Da sind wir im Schwarzwald natürlich besonders stolz darauf“, so Bernd Kraft.

Einige Exemplare sind im Museum Haus Kast ausgestellt, dort befindet sich auch eine Sonderausstellung zur Wagnerei.

Seine Enkelin Christel Zdun wohnt bis heute im Haus ihres Großvaters: „Es ist ein Haus, das Geschichte hat und lebt“, sagt sie darüber.

Der nächste Halt war gegenüber der Flößerhalle. Was viele junge Hördener vielleicht nicht wissen: Auf der Kreuzung Landstraße/Hördener Straße stand früher eine Kirche. Diese hatte von 1745 bis 1894 Bestand, danach diente sie verschiedenen Zwecken, ehe sie 1935 abgerissen wurde. Es entstand an der Hördener Straße ein zweiteiliges markantes Gebäude mit einer Metzgerei und einer Gaststätte.

Ältere Hördener erinnern sich mit Sicherheit an die Wirtschaft, die „Kirchl“ genannt wurde, fanden hier doch legendäre Schnurren an Fastnacht statt. Bernd Kraft: „Wir hatten früher bis zu zehn Wirtschaften im Ort und diese waren Höhepunkte der Hördener Fasent.“ Er hatte auch einige Anekdoten und Geschichten parat.

So setzte einmal der Forbacher Gemeinderat seine Sitzung feuchtfröhlich im „Kirchl“ fort, feierte und tanzte mit den Hördenerinnen. Umso größer war dann die Überraschung, als um Mitternacht die Masken fielen: „Unter der Maskierung waren ihre eigenen Frauen“, lacht Bernd Kraft.

Letzte Station war das Museum Haus Kast, errichtet von Jakob Kast im Jahr 1583. Er war wegen seines Reichtums bekannt als der „badische Fugger“. Das 2001 eingeweihte Museum widmet sich der Geschichte der Familie Kast, die bis heute im Murgtal unternehmerisch tätig ist, sowie der Waldwirtschaft, dem Holzhandel und der Flößerei.

Die Vereinsmitglieder Udo Fritz und Wolfgang Strobel hatten zwischenzeitlich das Backhäusl im Museumshof eingeheizt, so dass die Teilnehmer der informativen Führung vom Geruch von frisch gebackenem Brot angelockt wurden.