„Grandiose Aussichten, intensive Einsichten“

BT 07.09.2020

Verkehrsminister Winfried Hermann zeigt sich bei Radtour in den Nationalpark beeindruckt und zuversichtlich

Von Stephan Juch

Murgtal – „Wir fahren kein Rennen“, mahnt Patrick Schreib am Bahnhof von Baiersbronn. Der Tourismusdirektor begrüßt eine Gruppe, die gerade aus dem Radexpress „Murgtäler“ gestiegen ist und sich gleich aufs Fahrrad schwingen wird. Eine Genießertour soll es sein, die den rund 25 Teilnehmern intensive Einblicke in den Nationalpark Schwarzwald gewährt. Angeleitet von drei Tour-Guides der Baiersbronn Touristik und begleitet von Nationalpark-Rangern stehen ihnen teilweise anstrengende, aber äußerst lohnende 27 Kilometer bevor.

bt07092020 01 Verkehrsminister Winfried Hermann auf dem Weg durch das Tonbachtal in den Nationalpark Schwarzwald. Im Bild rechts genießen die Teilnehmer der geführten Radtour am „Genussplatz am oberen Zinken“ die Aussicht auf Tonbach, Baiersbronn und den Stöckerkopf. Fotos: Juch

Das Mountainbike-Netz habe man in Baiersbronn in den vergangenen vier Jahren sukzessive ausgebaut, mehr als 400 Kilometer Strecke neu ausgewiesen. Das sorge auch für Konflikte, wie Schreib betont, die habe man aber im Griff: „Der Wanderer hat Vorrang“, schreibt er den Fahrradfahrern, die größtenteils mit E-Bikes ausgestattet sind, ins Gebetbuch, bevor es losgeht und schickt hinterher: „Wir haben hier ein sehr gutes Miteinander“, der gegenseitige Respekt aller, die Natur genießen wollen, sei entscheidend.

Und es dauert nicht lange, ehe es auf dem Weg durch die Reichenbacher Höfe und das Tonbachtal bergauf in den Nationalpark zu ersten Begegnungen mit Wanderern kommt. Man grüßt sich freundlich und macht Platz: So stellen sich die Touristiker das Zusammenspiel von Baiersbronner Wanderhimmel und Mountainbike-Paradies Murgtal vor. Bis zur ersten fantastischen Aussicht heißt es aber kräftig in die Pedale treten – vor allem für die wenigen, die ohne Pedelec unterwegs sind: Von knapp 600 Höhenmetern geht es bis auf 912 hinauf zum Huzenbacher Seeblick.

„Ambitioniert“, findet Winfried Hermann. Der baden-württembergische Verkehrsminister von den Grünen ist zum zweiten Mal Fahrgast im Murgtäler Radexpress und zum ersten Mal mit dem Pedelec auf dem Weg in den Nationalpark. Bei dem Großschutzgebiet sei er sich von Anfang an sicher gewesen, dass es der Region helfe: „Auch gute Sachen brauchen ihre Zeit, bis sie richtig ankommen.“ Und er habe das Gefühl, dass die Leute das langsam, aber sicher erkennen. Als Verkehrsminister verfolge er im Nationalpark das Ziel: „Weniger Autos, mehr ÖPNV.“ Auch das Rad spiele bei der umweltfreundlichen Erkundung weitgehend unberührter Natur eine wichtige Rolle. Von daher sei er froh, dass es das Angebot Radexpress gibt, so Hermann im BT-Gespräch. Der „Murgtäler“ ist der erfolgreichste seiner Art in Baden-Württemberg.

„Auch heute hat er wieder alle Erwartungen übertroffen“, zeigt sich Manfred Vogt mehr als zufrieden. Er ist beim Arbeitskreis Tourismus-Freizeit (AKTF) der Stadt Gaggenau einer der Initiatoren des Angebots, das schon so viele Jahre lang etliche Tagestouristen ins Murgtal holt. Der Besuch des Ministers und Vertreter weiterer Beteiligter wie der DB Regio oder dem neuen Partner AOK Mittlerer Oberrhein bestätigen den Erfolg des Projekts. Bedauern äußert der AKTF darüber, dass weder von der Stadt Gaggenau, noch von den Gemeinden Weisenbach und Forbach am Samstag offizielle Vertreter vor Ort sind, komme der Radexpress doch auch ihnen touristisch sehr zugute. Von der Stadt Gernsbach ist der stellvertretende Bürgermeister Dirk Preis (CDU) mit von der Partie. Er bezeichnet es als wichtig, diese Möglichkeit des Netzwerkens zu nutzen, was der Verkehrsminister und Patrick Schreib unterstreichen. Erfolgreich könne man im Tourismusbereich nur gemeinsam sein.

bt07092020 02Das zeigt sich bei der Radtour, bei der immer wieder interessante Stopps eingelegt werden, bei denen die gebietsleitende Rangerin Friederike Schneider und ihr Kollege Martin Rimmler tiefe Einblicke in den Nationalpark geben. Neben allgemeinen Infos zum Schutzgebiet, in dem die Kernzone seit Januar etwas mehr als 50 Prozent ausmacht, zur Tierwelt, zu den Karseen (den „schwarzen Augen des Schwarzwalds“) und zum Borkenkäfer („er ist ein Problem der Forstwirtschaft, nicht des Waldes“) gehen die Experten auch auf die Interaktion mit den Besuchern ein. Nach wie vor seien einige sehr kritisch gegenüber dem Nationalpark eingestellt, was auch die Ranger teilweise nachvollziehen können. Durch aufklärende Gespräche und Öffentlichkeitsarbeit versuchen sie, mehr und mehr Verständnis für das Vorhaben „Natur Natur sein lassen“ zu erreichen.

Bei der Radtour durch die ausgewiesenen Wege des Schutzgebiets am Samstag sind sie diesbezüglich wieder einen Schritt weitergekommen. „Grandiose Aussichten, intensive Einsichten dank der Ranger“, fasste Minister Hermann den Tag zusammen: „Der Nationalpark ist ein Gewinn für die Region und für ganz Baden-Württemberg.“

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2023: Neue Wagen für den „Murgtäler“

Murgtal (stj) – Die Freunde des beliebten Radexpress’ „Murgtäler“, der Jahr für Jahr viele Tagestouristen in die Region bringt, können sich freuen: Ab 2023 greift ein neues Wagenkonzept für den Zug, der normalerweise von Anfang Mai bis Mitte Oktober an allen Sonn- und Feiertagen von Ludwigshafen, Mannheim, Heidelberg über Karlsruhe bis nach Baiersbronn fährt. Das kündigte Florian Wiesemann, Regionalleiter Finanzen/Controlling bei DB-Regio, am Rande der Sonderfahrt am Samstag an. Der Nationalpark-Express mit geführter Radtour war ursprünglich für 11. Juli geplant, musste coronabedingt aber verschoben werden. Auch 2021 werde der Nationalpark-Express wieder fahren, versicherten die Verantwortlichen. Der „Murgtäler“ ist ein Kooperationsprojekt von der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, DB Regio, AVG und dem Arbeitskreis Tourismus-Freizeit der Stadt Gaggenau.

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