Per Rad geht’s von Kirche zu Kirche

BNN 28.06.2021

Ökumenische Tour führt durch das Murgtal / An den Stationen gibt es Kurzführungen

BNN28062021
Auf Erkundungsfahrt: Mehrere Teilnehmer beteiligten sich an der ökumenischen Kirchentour auf der Strecke der „Tour de Murg“.Foto: Susanne Dürr

Gaggenau/Baiersbronn. „Ja, und wo findet sich hier der Heilige Jakobus?“, fragt Ernst Kraft interessiert. „Der steht als vergoldete Wetterfahne auf dem Kirchendach“, erklärt Marlene Pipitone, während die übrigen Teilnehmer der ökumenischen Kirchentour per Drahtesel die prachtvollen Kirchenfenster des Gotteshauses bestaunen, das 1555 als ehemals katholische Kirche den evangelischen Bürgern zugesprochen wurde.

"Sport und Spiritualität ist eine Kombination mit Potenzial."
                                                                                                      Ernst Kraft,Tour-Teilnehmer

Die evangelische St. Jakobskirche ist die vorletzte der vier Kirchen, bei der die Radler auf der geführten Tour de Murg Station machen. Rund 40 Kilometer entlang der Murg, mit Ausgangspunkt per Bahn in Baiersbronn und mit Jahrhunderten voller Kirchengeschichte, liegen hinter den gutgelaunten Sportlern. Übers holprige Gernsbacher Altstadtpflaster durch die blühenden, duftenden Wiesen der Weinau, ist das Ziel der letzten Etappe, die Radlerkirche in Hörden, schnell erreicht, zumal die meisten Radler per E-Bike unterwegs sind. Dort birgt das Gotteshaus nicht nur eine Luftpumpe, auch ein liebevoll von Kirchengemeinderätin Christel Fritz vorbereitetes kleines, feines Vesper samt Kaffee und Kuchen plus Durststillern steht bereit.

Begrüßt werden die Ankömmlinge von Kirchengemeinderätin Cornelia Becker, die erklärt, wie 2006 die Kirche in Hörden zur neuen Bestimmung kam. Bernd Kraft vom Arbeitskreis Tourismus Freizeit Gaggenau (AKTF) freut sich, dass Radler nun erstmals den vor zwei Jahren fertiggestellten Pavillonanbau zur Bewirtung nutzen können. „Als Ideengeber haben wir die Touren des „Murgtäler-Radexpress“ mit verschiedensten Zustiegsmöglichkeiten durch thematische Radwandertouren bereichert, die immer wieder ergänzt werden. Pandemiebedingt ist dies die einzige Tour, die bisher stattfinden konnte“, erklärt er zur Kirchentour unter der Federführung der evangelischen Kirchengemeinde Gaggenau in Kooperation mit der Seelsorgeeinheit Gaggenau.

„Wenn alles gut läuft, soll am 22. August die Premiere der Tour der Murg für Familien mit Stopps an den Spielplätzen auf der Wegstrecke stattfinden. Hier wird dann erstmals der neue Spielplatz in Bad Rotenfels der bewirtete Abschluss“, erklärt Kraft. „Sport und Spiritualität erleben, sich dabei in der Natur bewegen und Kirchenschätze beider Konfessionen entdecken, ist eine Kombination mit Potenzial“, betont Ernst Kraft, der als Vertreter der Katholischen Seelsorgeeinheit in die Pedale trat.

Wohnhaft in Freudenstadt stieß das Ehepaar Ludewig in Baiersbronn zur Radlergruppe. Die Besichtigung der Evangelischen Methodistischen Kirche war für Uwe Ludwig ein Highlight. „Wir sind schon oft an der Kirche vorbeigefahren und hatten nun erstmals eine tolle Führung, die den Blick gelenkt hat. „Wie das Sonnenlicht als Auferstehungslicht den Altarraum erleuchten ließ, war schön“, ergänzt Bärbel Ludewig. Ute Euler aus Oberbeuern, genoss es einfach, „in einer tollen Gruppe, in der jeder nach jedem geschaut hat, einfach einem hinterherzufahren, der sich auskennt“ und lobt die tolle Organisation. In jeder der vier Kirchen stand ein Einheimischer zur Kurzführung bereit.

Einer, der die Tour de Murg runter und am liebsten rauf fährt, ist der Gaggenauer Kuno Merkel. Der ehemalige Fahrradhändler hat vor 25 Jahren die beliebte Radtour mitentwickelt und ist stolz, dass diese bis heute von den radlern so gut angenommen wird. Etwas abseits der Wegstrecke liegend, beeindruckte Pfarrer Hartmut Friedrich die katholische Kirche in Schönmünzach und die abwechslungsreiche Landschaft.

Von Anfang an mit dabei ist Stefan Fritz, als die Kirchentour 2017 erstmals ins Leben gerufen wurde. Ein Jahr später übernahm der 31-Jährige die Radbegleitung. Dabei werde Wert darauf gelegt, zur Abwechslung jedes Jahr mindestens eine neuen Kirche zur Besichtigung mit aufzunehmen, erklärte Fritz.

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Begrüßung der Teilnehmer der Kirchentour. Foto Conny Becker