Einheimische Riesen und Exoten

Naturführer Rainer Schulz erklärt bei einer Wanderung die erstaunliche Artenvielfalt im Kurpark Bad Rotenfels

Von Sabine Zoller

Gaggenau – Ob Rosskastanie, Rotbuche oder Robinie, Esche, Efeu oder Eisenholzbaum, Silberlinde, Schwarznuss oder Götterbaum: Die einzigartige Artenvielfalt von Flora und Fauna ist im Kurpark von Bad Rotenfels eine wahre Pracht.

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„Baumflüsterer“: Naturparkführer und Schwarzwald-Guide Rainer Schulz.

Wer mit offenen Augen durch den Park wandelt, kann Informationen über die betreffenden Bäume an den kleinen Beschilderungen erkennen. Aber damit ist noch lange nicht geklärt, warum ausgerechnet dieser Baum im Kurpark steht oder welchen Nutzen er einst oder gar noch heute für die Gesellschaft hat. Kein Wunder also, dass die fachkundige Führung von Rainer Schulz am Samstag viele Interessierte von nah und fern begeisterte.

Eigens dafür ist Ursula Krummholz aus Bretten angereist, um mehr über die Artenvielfalt zu erfahren. „Mich begeistern die vielen verschiedenen Eichenbäume“, lautet der Tenor der naturverbundenen Spaziergängerin, die dem Baum Stärke, Härte und Standfestigkeit zuordnet. Überrascht lauscht sie den Ausführungen des Naturparkführers und Schwarzwald-Guides, der Wissenswertes zum Kultbaum der Germanen und der Kelten berichtet, der über die tiefen Pfahlwurzeln mit Mutter Erde besonders fest verankert ist. „Kein Sturm wirft eine gesunde Eiche um“, erklärt Schulz, der als ehemaliger Forstwirt vom Brennholz der heimischen Eiche schwärmt, das mit 3,3 Watt/kg das höchste Ergebnis für einen Heizwert erzielt.

Schulz informiert nicht nur über das Holz von heimischen Arten, sondern zudem über Exoten, wie die Rot-Eiche oder die Amerikanische Eiche genannte Eichenart, die lediglich einen Heizwert von 2,8 Watt bietet. „Dafür aber liefert sie ein ideales Holz für den Parkettbau und zeigt sich im Herbst mit einem prächtig roten Blätterkleid.“ Die außergewöhnlich großen, bis zu 20 Zentimeter langen Blätter laufen mit ihren tiefen Einbuchtungen spitz zu und begeistern Heidi Tippmann aus Gaggenau, die gleich fünf davon einsammelt und freudestrahlend erklärt: „Die werden nun gepresst und auf Karten aufgeklebt. Dann sind das schöne Geschenke, die man per Post in alle Welt versenden kann.“

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Einblick in die Historie von Ottenau

BNN 27.05.2019

Der Arbeitskreis lud zur ersten Ortsführung

Von unserer Mitarbeiterin Elke Fischer

Gaggenau-Ottenau. Für den Arbeitskreis (AK) Tourismus-Freizeit bedeute die Ortsführung durch Ottenau eine Premiere, so Manfred Vogt. Ortsführer Lothar Streeb hat indessen schon einige Erfahrung gesammelt. Nachdem man seinerzeit nach einem Beitrag zur Gestaltung der 775-Jahrfeier in Ottenau gesucht hatte, recherchierte er reichlich, so dass er inzwischen mit vielen Fakten und Zahlen aufwarten und einen interessanten Einblick in die Historie des heutigen Stadtteiles geben kann.

Start war an der Merkurhalle, die mit der angrenzenden Merkurschule, der Jakob-Scheuring-Halle, dem Standort des Roten Kreuzes und der Feuerwehr gewissermaßen ein Zentrum des Stadtteiles bildet. Beim Bau der Merkurhalle 1955 gehörte der Ort bereits zu Gaggenau, ein Anbau erfolgte im Jahr 1961. Im selben Jahr entstand die Merkurschule, eine erste Erweiterung folgte 1971 und derzeit ist der große Anbau inklusive einer Mensa im Entstehen.

Besonderheit im Rotkreuz-Gebäude

Bei einem Besuch im Aufenthaltsraum des Roten Kreuz-Gebäudes machte Lothar Streeb auf eine Besonderheit aufmerksam: Hier sind auf der Eingangstür die vier unterschiedlichen Ortswappen festgehalten, die den Ort von 1290 bis zum heutigen Tage versinnbildlichen sollen.

Auch das Kuppelsteinbad hat seine besondere Geschichte. Mit dem Einsatz damals Arbeitsloser, für die die Arbeit einen kleinen Verdienst bedeutete, gelang der Bau in der Zeit von 1934 bis 1935. Nachdem dem Bad aus finanziellen Gründen 1992 die Schließung drohte, ging in verschiedenen Etappen – nach der Gründung eines Fördervereines und sehr viel Eigenarbeit – das Bad seit 2006 in die Hände des Schwimmbadvereins Kuppelsteinbad über.

Das Schwimmbad liegt am Fuße des Lieblingsfelsens, der heute ein Naturschutzgebiet ist. Aufgrund von Bohrungen, die der Markgraf seinerzeit auf der Suche nach Steinkohle vorgenommen hatte, weiß man, dass die Schicht der hier vorkommenden Sandsteinschichten, des „Rotliegenden“, etwa 200 Meter tief ist. Dieses typische Sedimentgestein ist hier und da deutlich zu erkennen.

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DIE GEBÄUDE DER LEBENSHILFE bildeten eine von vielen Stationen der ersten Ortsführung durch Ottenau, bei der Lothar Streeb (dritter von links) mit vielen Informationen aufwartete. Foto: Fischer

Die Wanderung führte vorbei an den Gebäuden der Lebenshilfe über die neueste Murgbrücke, die viel befahrene Schlotteräxtbrücke. Von hier geht der Blick die Murg hinunter zur Lindenbrücke, die einst Ottenaus erste Brücke ersetzte, die sehr unter Hochwasser und anderen Wetterbedingungen zu leiden hatte und mehrfach zusammengebrochen war. Die später entstandene Badener Brücke wurde 1975 vergrößert.

Auf der anderen Seite der Murg stößt man auf die Schienen der Murgtalbahn, die seit 1869, als sie lediglich bis Gernsbach führte, einige Veränderungen erlebt hat – bis zur ihrer jetzigen Nutzung seit 2004. Zeugnis kann noch der alte Bahnhof abgeben. Ein Blick von dort auf die Höhen mit ihren Burgen erinnert daran, dass die Ebersteiner mit ihrer wechselhaften Geschichte auch den Ort Ottenau beeinflusst haben, war er doch einmal auch ein Grenzort für dieses Geschlecht, das 1660 erloschen ist. Auf dem Weg zurück in den Ort passierte man die Kirche St. Jodok, fertiggestellt im Jahr 1906 als Nachfolgerin einer kleineren Kirche, die ihrerseits ein Holzkirchlein als Vorgängerin hatte.

Über die Lindenbrücke gelangte man zum alten Ortskern, der einige schöne Gebäude, wie etwa die alte Schule aus dem Jahre 1897 und das alte Rathaus aufweisen kann. Letzteres beherbergt mit seinen bunten Fenstern im Jugendstil ein echtes Kleinod.

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